Dienstag, 14.09.1999

2. Projekte von Hochtief am Potsdamer Platz (Michael Nahrath)

Sony Center Durch alte persönliche Kontakte unseres Exkursionsleiters Prof. Toepfer kamen wir in den besonderen Genuß einer Führung durch Herrn Pannhorst, der in der Geschäftsleitung von Hochtief das Sony-Center betreut.

Zu den Einzelprojekten organisierte er jeweils einen Bericht und eine Führung mit dem Bauleiter des Abschnitts.

Sony-Center

Im Container-Baubüro von Hochtief hielt Herr Pannhorst das einleitende Referat. Hier nur einige Zahlen zum Sony-Center:

Bauzeit: 1994-2000
Kosten:
Aushub, Bodenplatte: 100 Mio DM Züblin
Rohbau, Ausbau: 600 Mio DM Hochtief
Gebäude: Büroturm (26 Geschosse, 104 m über Bodenniveau)
Urban Entertainment Center (mit iMax-Kino)
Europäische Zentrale von Sony
Filmhaus / deutsche Mediathek
Esplanade
Forum / Plaza (mit Sonnensegeldach)
und weitere Büro- und Appartements

Besondere Maßnahmen wurden für den Gründerzeitbau Esplanade ergriffen, da er wegen des historischen Kaisersaal von großem denkmalpflegerischen Wert ist. Er wurde für 70 Mio DM umgesetzt ("transloziert") und rekonstruiert. Aber seine Umbauung bestimmt auch stark die Konstruktion des gesamten Sony-Centers: Um ihn zu überbauen, ohne auf seinen Wänden Lasten abtragen zu können, wurde ein ganzer Gebäudeteil - an zwei riesigen Fachwerkträgern aus Stahl aufgehängt - als Brückenbauwerk ausgebildet (Esplanade Residenz).

Das Forumdach ist zwischen einem umlaufenden Ringbalken (ein sphärisches Stahlfachwerk) und dem zentralen Königstiel gespannt, der wiederum am Ringbalken aufgehängt ist. Daß der Königsstiel 600 Tonnen wiegen soll, konnten wir allerdings nicht recht glauben, dies entspräche nämlich 80 m3 massiven Stahls!
Kosten: 18 Mio DM

iMax-Kino

Mit Herrn Diddelbach besichtigten wir das iMax-Kino im "Urban Entertainment Center".

Ein immer wiederkehrendes Problem beim Bauen in einer Stadt wie Berlin, wo sehr viele Funktionen auf engstem Platz (teilweise in mehreren Ebenen übereinander!) erfüllt werden müssen, ist die Entkoppelung von Bauwerken.

Beim Esplanade war das Problem, daß das alte Gebäude keine statischen Lasten aus der Überbauung aufnehmen kann. Das spezielle Problem beim iMax-Kino sind die enormen Schalldrücke, die in dem Superbreitbandkino erzeugt werden sollen, um den Besuchern einen besonders "realitätsnahen" Filmeindruck zu vermitteln. In unmittelbarer Nachbarschaft und darüber sollen jedoch Büros und 600 Wohnungen gehobener Qualität entstehen, die in keiner Weise durch Kinolärm beeinträchtigt werden dürfen.

Für den Kinosaal wurde daher eine Box in Box Konstruktion gewählt. Das heißt, der Saal ist ein ganz eigenes System, das an keiner Stelle direkten (schallleitenden) Kontakt zur Konstruktion des Außenbauwerks hat.

Die Innenschale liegt ausschließlich auf Neoprenelagern auf, rund herum und über der massiven Decke bleibt ein Luftspalt von ca. 7cm. Dies während der Bauausführung und im ausgebauten Zustand zu gewährleisten erfordert besondere Sorgfalt und aufwendige Anschlußdetails an den Durchdringungen (Türen, Leitungsdurchführungen).

Einige Daten zum iMax-Kino-Saal:

Projektionsfläche: 500m2 (25m/20m)
Freie Spannweite der Decke: 30m
Konstruktion der Innendecke: Waffeldecke mit Trägern 1000 IPB
Tragkonstruktion der oberen Decke: Stahlträger 3,60m Höhe, Masse bis zu 160t / Träger

Arbeitssicherheit und Arbeitsverhältnisse

Für Hochtief arbeiteten dort (incl. Subunternehmer) bis zu 1500 Arbeiter.
Dabei legt Hochtief selbst großen Wert auf die Baustellensicherheit. Es wurde betont, daß sich in 2 Jahren Bauzeit kein tödlicher Arbeitsunfall ereignet hat. Hochtief läßt durch ein eigens beauftragtes Unternehmen die Arbeiter überprüfen und hat so erreicht, daß die Quote an illegal Beschäftigten unter 2% liegt. Das ist offenbar auf Berliner Großbaustellen eine Seltenheit.

Zentrale Ver- und Entsorgung: BauLog

Bei der Konzeptionierung der vielen Großbauvorhaben in der Mitte Berlins (Potsdamer Platz, Bundesbauten, Lehrter Bahnhof) wurde befürchtet, daß die anfallenden Materialtransporte den ohnehin überlasteten Berliner Straßenverkehr vollends zum Erliegen bringen würden, wenn sie nicht zentral geregelt werden. Der Senat verpflichtete daher alle beteiligten Unternehmen zur Gründung und ausschließlichen Benutzung zweier Baulogistikzentren. Dafür wurde eigens eine Kanalbrücke erbaut und je ein zentraler Umschlagplatz südlich des Landwehrkanals sowie einer am Nordhafen (mit eigener Bahn- und Wasserstraßenanbindung) eingerichtet.

Die BauLog wird als Erfolg gewertet, da sie in der Zeit der Tief- und Rohbauarbeiten funktioniert und den Verkehrskollaps verhindert hat. In der Phase der Fertigstellung ihres Baues (bei drängenden Terminen) stieg jedoch zuerst DEBIS aus der zentralen Versorgungsstruktur aus, dann Sony. Da inzwischen der Hauptteil der Transporte auch erledigt ist, wird die BauLog wohl Ende des Jahres wieder aufgelöst.

Park Kolonnaden Potsdamer Platz (A+T-Gebäude)

Die Investorengruppe für das Baulos zwischen Stresemannstraße und Linkstraße hat inzwischen mehrere Umstrukturierungen erlebt. Den Zuschlag für die Hochbauausführung des Kopfbaues zum Potsdamer Platz hat eine ArGe aus Strabag und Hochtief erhalten.

Auch bei diesem Bürogebäude ist die ingenieurmäßige Hauptaufgabe ein Entkoppelungsproblem: Unter dem Grundriß des ersten Blocks verläuft der Tunnel der U-Bahnlinie U2 aus dem Baujahr 1926. Da er (wie die meisten Tiefbauten in Berlin) komplett im Grundwasser liegt, mußte bei der Offenlegung des Schachtes besonders auf die Bewahrung der alten Dichtschichten geachtet werden, da ein Neubau oder eine Grundsanierung der Tunnelröhre derzeit nicht finanzierbar ist. Weiterhin ist es völlig unmöglich, das alte Mauerwerksbauwerk durch das darüber entstehende Gebäude zu belasten.

Der Mittelteil des ersten Quergebäudes des A+T-Gebäudes ist daher als Scheibe aus Stahlfachwerk gebaut ("Vierendeel-Träger"), die sich auf die Fundamente der äußeren Gebäudeteile stützt.

Der eigentliche Kopfbau zum Potsdamer Platz hin hat keine vertikale Gründung, sondern ruht auf zwei Kragarmen aus je 12m/3m Spannbeton, die aus dem ersten Quergebäude herausragen. Er wird als Stahlskelett ausgeführt, an das - ohne stützenden Bodenkontakt - die Fassade gehängt wird.

Der örtliche Bauleiter Herr Norak erläuterte diese Bauaufgaben zuerst anhand der Pläne im Seminarraum des Baubüros, dann führte er uns über die Baustelle. Dort bekamen wir von den Sonderkonstruktionen des Kopfbaus über die Schalarbeiten am Block 1 bis zu den Ausbauarbeiten im Block 2 einen Eindruck von allen Phasen der Rohbauerstellung.

Dank

Wir bedanken uns bei den Bauleitern Herr Diddelbach und Herr Norak und ganz besonders bei Herrn Pannhorst. Zwar besichtigt heutzutage jeder den Potsdamer Platz, aber sie zeigten uns in ihren sehr kompetenten und informativen Vorträgen und Führungen vieles, was der Durchschnittsbesucher nicht zu sehen kriegt.